Die Gewinner 2016 - Filmpreise Zürich

Die Preisverleihung fand am 24. November 2016 in Winterthur statt. Nachfolgend finden Sie die Gewinnerfilme.

Zürcher Filmpreis 2016
Jury Begründung

«Raving Iran» ist die Geschichte von Anoosh und Arash, die davon träumen, als DJs die Welt zu erobern. Ihr Heimatland Iran bietet dazu kaum oder besser: gar keine Möglichkeit. Die Produktion eines Musikalbums etwa wird zum zermürbenden Spiessrutenlauf. Da erreicht sie unverhofft die Einladung an die Street Parade in Zürich, wo sie sich schliesslich schweren Herzens für das Exil entscheiden. Das Dokumentarfilmdebüt von Susanne Regina Meures, mit dem sie ihren Master an der ZHdK abschliesst, erzählt eine ebenso atmosphärische wie spannungsvolle Geschichte, die uns vom ersten Augenblick an packt und uns unbemerkt mitnimmt, sowohl auf illegale Partys wie beim Gang auf die Ämter. «Raving Iran» gelingt trotz einfachster Mittel – ein Grossteil musste aus Sicherheitsgründen mit Handy gefilmt werden – eine ästhetisch überzeugende Umsetzung. Meures’ Film ermöglicht dabei im Kleinen einen aufschlussreichen Einblick in die iranische Gesellschaft und deren Alltag, in dem eine restriktive Zensur und eine lebensfeindliche Ideologie die Menschen in Schach halten.

Raving Iran

Cadrage 2016 (Zürich) - Regie: Susanne Regina Meures
Cadrage: 2016 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2016

Regie: Susanne Regina Meures
Produktion: Christian Frei Filmproduktion GmbH und ZHdK

Drehbuch: Susanne Regina Meures
Zürcher Filmpreis 2016
Plakat

Zürcher Filmpreis 2016
Jury Begründung

Annina Furrer hat nach dem Selbstmord ihres Bruders – es war bereits der zweite Suizid eines Geschwisters – eine Spurensuche in der Familie unternommen, um herauszufinden, wann denn "Sand ins Getriebe" gekommen sei. Mit ihrem lebensbejahenden Dokumentarfilm verarbeitet sie den Schmerz, und fächert in Gesprächen mit der Mutter und dem Bruder sowie über Briefe, Fotos und Tonbandaufnahmen ihres verstorbenen Bruders eine Familiengeschichte voller Schicksalsschläge auf, welche die Suizide zwar nicht restlos    erklären, aber wenigstens nachvollziehbar machen. Ein klug aufgebauter Film voller intimer Momente, der von grosser Courage der Regisseurin und ihrer Angehörigen zeugt und das Publikum ungemein berührt.

Dem Himmel zu nah

Cadrage 2016 (Zürich) - Regie: Annina Furrer
Cadrage: 2016 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2016

Regie: Annina Furrer
Produktion: Recycled TV AG

Drehbuch: Annina Furrer
Zürcher Filmpreis 2016
Plakat

Zürcher Filmpreis 2016
Jury Begründung

Filmende Väter, die schöne Momente ihres Familienlebens festhalten wollen, kennen viele aus eigener Erfahrung. Die Besessenheit, mit der Joschy Scheidegger, von Beruf Schauspieler und Regisseur beim Schweizer Fernsehen, fast jede Regung seiner Frau und Kinder aufgezeichnet hat, übersteigt das übliche Mass jedoch bei weitem. Entsprechend gigantisch ist das Material, das er bei seinem Tod hinterlassen hat. Eva Vitija, seine Tochter, hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus diesem Nachlass einen Film zu drehen. Woher diese Obsession, alles festhalten zu wollen? Wie verändert der ständige Blick durch die Linse die Wahrnehmung? Und was heisst es, ständig gefilmt zu werden? Dies sind nur einige der Fragen, denen Eva Vitija auf ihrer Forschungsreise durch die eigene Familiengeschichte nachspürt. Dass sich der Einblick in familiäre Zusammenhänge und Abgründe für uns Zuschauer nicht nur als unterhaltsam und vergnüglich, sondern auch als spannend, tiefsinnig und emotional aufwühlend herausstellt, ist dem enormen Geschick der Autorin zu verdanken, das vorhandene Material sowie eigene Interviews und Kommentare in eine schlüssige Form zu bringen. Das Leben drehen überzeugt nicht zuletzt deshalb, weil die bewegende Dramaturgie der Ereignisse stets um eine Reflexionsebene ergänzt ist, die über das Persönliche der Familiengeschichte hinausweist.

Das Leben drehen

Cadrage 2016 (Zürich) - Regie: Eva Vitija
Cadrage: 2016 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2016

Regie: Eva Vitija
Produktion: SwissDok GmbH

Drehbuch: Eva Vitija
Zürcher Filmpreis 2016
Plakat

Zürcher Filmpreis 2016
Jury Begründung

Durch den Einblick in den intimen Alltag vier junger Paare seiner eigenen Generation zeigt uns Jan Gassmann eine Momentaufnahme des heutigen Europas. Dabei wagt er nicht nur einen Schritt über unsere Landesgrenzen hinaus, sondern verwebt auch gekonnt visuell starke, ästhetisch-symbolische Bilder mit aus dem Off eingespielten unheilvollen Nachrichten. So lässt uns der Film hautnah die europäische Krise miterleben, von der in der Schweiz kaum etwas spürbar ist. Während seiner Reise durch die Randzonen der heutigen EU sucht der Regisseur nach Gemeinsamkeiten, zieht Parallelen und schafft es dadurch, dem politischen Diskurs über Europa endlich ein Gesicht zu geben.
«Europe, She Loves» ist nicht zuletzt ein radikaler, kontroverser Film, der durch sein visionäres Konzept besticht, polarisiert, lange nachhallt und zum Denken anregt, vor allem darüber, was uns in der heutigen Zeit verbindet – und was uns trennt.

Europe, She Loves

Cadrage 2016 (Zürich) - Regie: Jan Gassmann
Cadrage: 2016 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2016

Regie: Jan Gassmann
Produktion: 2:1 Film GmbH

Drehbuch: Jan Gassmann
Zürcher Filmpreis 2016
Plakat

Zürcher Filmpreis 2016
Jury Begründung

Die Verfilmung des «Schellen-Ursli» durch Xavier Koller verbindet gekonnt die Bilderwelt des populären Bündner Kinderbuchs mit modernster Computertechnik. Insbesondere die Ausstattung sorgt mit viel Detailsorgfalt für eine ungezwungene historische Authentizität. So lässt der Film nicht nur – abseits der eigentlichen Ortschaft – den Charme des Engadiner Bauerndorfs Guarda aufleben. Er setzt auch überzeugend die dramatischen Höhepunkte in Szene, etwa die waghalsige Fahrt des Schellen-Ursli auf der grossen Glocke vom Maiensäss ins Dorf. Die Special Effects ergänzen die Vorlage um Anleihen bei Märchen und Actionfilm und vermögen es, die ursprüngliche Geschichte um den Dorfbuben, der den Chalandamarz schliesslich doch mit der grossen «Plumpe» statt der kleinen Schelle feiern kann, sanft und spannungsreich für ein zeitgenössisches Publikum zu gestalten.

Schellen-Ursli

Cadrage 2016 (Zürich) - Regie: Xavier Koller
Cadrage: 2016 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2016

Regie: Xavier Koller
Produktion: C-Films AG

Drehbuch: Stefan Jäger, Xavier Koller
Zürcher Filmpreis 2016
Plakat


 

 
Cadrage 2017
Die nächste Cadrage findet in Zürich am
Dienstag, 21. November 2017
statt. 
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