Die Gewinner 2017 - Filmpreise Zürich

Die Preisverleihung fand am 21. November 2017 in Zürich statt. Nachfolgend finden Sie die Gewinnerfilme.

Zürcher Filmpreis 2017
Jury Begründung

Der Filmemacher adelt das Kino und macht das, was die Realität nicht kann. Indem er einen gesellschaftspolitischen Konflikt raffiniert und multimedial in Szene setzt, gelingt es ihm, ein sehr komplexes und brisantes Thema aus unterschiedlichen Winkeln zu beleuchten. In einem fiktiven zivilen Tribunal bringt er Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker der wirtschaftlichen und kriegerischen Konflikte im Kongo auf dieselbe Bühne mit dem erklärten Ziel, der Bevölkerung nebst Genugtuung auch den Glauben an den Rechtsstaat zurückzugeben. Es ist Milo Rau hoch anzurechnen, dass er unter dem Godard’schen Motto «Nicht politische Filme machen, sondern Filme politisch machen» das Medium in den Dienst emanzipatorischer Anliegen stellt und es schafft, dort, wo die Justiz versagt, wirkungsvolle Veränderung mit den Mitteln des Films und des Theaters herbeizuführen.

Das Kongo Tribunal

Cadrage 2017 (Zürich) - Regie: Milo Rau
Cadrage: 2017 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017

Regie: Milo Rau
Produktion: Langfilm, Bernard Lang AG und Fruitmarket


Drehbuch: Milo Rau
Zürcher Filmpreis 2017
Plakat

Zürcher Filmpreis 2017
Jury Begründung

Mit feinem Humor versetzt uns «Die göttliche Ordnung» in eine Schweiz, die gar noch nicht so lang zurückliegt und für Frauen doch so dramatisch anders war. Die Regisseurin Petra Volpe verknüpft in ihrer Inszenierung, die auf augenscheinlich viel Recherche gründet, keck die Geschichte des Frauenstimmrechts in der Schweiz mit derjenigen der westlichen Frauenemanzipation. Neben Marie Leuenberger in der Hauptrolle brillieren auch die anderen Darstellerinnen und Darsteller, die charmant das dörfliche Ambiente zum Leben erwecken. Gleichzeitig lässt uns das Styling des Films mit viel Liebe zum Detail und einem Augenzwinkern «lustvoll» in jene Zeit eintauchen. «Die göttliche Ordnung» erzählt ein bedeutendes Stück Schweizer Geschichte nicht als trockene Schulstunde, sondern als gelebte Historie – unterhaltsam aufbereitet und geschmeidig inszeniert. Ein Film, der wunderbarerweise auch für ein breiteres und generationenübergreifendes Publikum funktioniert.

Die göttliche Ordnung

Cadrage 2017 (Zürich) - Regie: Petra Volpe
Cadrage: 2017 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017

Regie: Petra Volpe
Produktion: Zodiac Pictures Ltd.


Drehbuch: Petra Volpe
Zürcher Filmpreis 2017
Plakat

Zürcher Filmpreis 2017
Jury Begründung

Im Zentrum des ersten Langspielfilms von Michael Koch steht die junge Ukrainerin Marija, die sich in einem Migrantenviertel Dortmunds als Putzfrau durchs Leben schlägt. Als sie am Arbeitsplatz beim Stehlen erwischt wird, ihren Job verliert und ihre Miete nicht mehr bezahlen kann, droht der Abstieg nach ganz unten, gegen den sich Marija jedoch mit allen Mitteln wehrt. Kochs Charakterstudie besticht durch seinen quasidokumentarischen Inszenierungsstil, die präzise Milieuschilderung sowie die eindringliche Performance der Schauspieler, allen voran der Hauptdarstellerin Margarita Breitkreiz. Hinzu kommt, dass sich der Film moralischer Urteile konsequent enthält und dadurch eine Ambivalenz in der Figurenzeichnung aufweist, die nur wenige Sozialdramen erreichen. Fern jeder Sentimentalität zeigt uns «Marija» eine starke Frauenfigur, die sich im männerdominierten Schwarzarbeitermilieu durchsetzt und sich so zumindest ein kleines Stück Unabhängigkeit erkämpft.

Marija

Cadrage 2017 (Zürich) - Regie: Michael Koch
Cadrage: 2017 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017

Regie: Michael Koch
Produktion: Hugofilm Productions GmbH und Pandora Film Produktion

Zürcher Filmpreis 2017
Plakat

Zürcher Filmpreis 2017
Jury Begründung

Diese Kurzdokumentation wirft mit spielerischer Stilisierung einen Blick in eine entlegene und ziemlich trostlose Gegend Serbiens. Die Leute sind arbeitslos – oder fast –, und dennoch begegnen sie ihrem doch ziemlich perspektivlosen Leben mit viel Selbstironie. Gekonnt wird im Film eine Parallele zum abtrünnigen Dorf von Asterix und seinen Galliern hergestellt. Die portraitierten DorfbewohnerInnen und Sonderlinge werden liebevoll beobachtet. Die Rakijada, ein Volksfest zur Krönung des trinkfestesten Einwohners des Dorfes, ist das Highlight des Jahres. Doch wie es der Jäger auf seiner nächtlichen Heimfahrt so schön sagt: Eine Siegesfeier gibt es nie, denn derjenige, der gewinnt, muss jeweils bewusstlos nach Hause getragen werden. «Rakijada» ist ein tragikomisches Sittenbild einer von der Welt vergessenen Gegend, die versucht, sich alleine durchzuschlagen.

Rakijada - Distillated Village Tales

Cadrage 2017 (Zürich) - Regie: Nikola Ilić
Cadrage: 2017 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017

Regie: Nikola Ilić
Produktion: HOOK Film & Kultur Produktion GmbH


Drehbuch: Nikola Ilić
Zürcher Filmpreis 2017
Plakat

Zürcher Filmpreis 2017
Jury Begründung

Martin Guggisberg ist eine Sittenkomödie gelungen, die ein schweres Thema leicht verhandelt. Mit satirischem Biss entlarvt der Regisseur den Neokolonialismus in der Schweiz und entstellt durch karikaturhafte Überzeichnung die «Füdlibürger» und ihren verlogenen Umgang mit den Fremden. Guggisberg wagt, was im Schweizer Film-schaffen selten ist: Ironie und schwarzen Humor. Er beweist ein Flair für Situationskomik und gutes dramaturgisches Timing.

Usgrächnet Gähwilers

Cadrage 2017 (Zürich) - Regie: Martin Guggisberg
Cadrage: 2017 | Kategorie: Zürich

Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017

Regie: Martin Guggisberg
Produktion: Tipi’mages GmbH


Drehbuch: Martin Guggisberg
Zürcher Filmpreis 2017
Plakat


 

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